Geschichte der GAL: die 80er - Hafenstraße

Eine kurze Chronik der Hafenstraße

Geschichte der GAL: die 80er - Hafenstraße

Wohnungsnot und leerstehende Büros: Die Schieflage auf dem Wohnungsmarkt ist dramatisch in den Achtzigern. Durch verfehlte Subventionspolitik werden zunehmend alte Gebäude "kaputtsaniert" - sprich: Erst verfallen lassen, dann Abriss, dann Büroneubau, dann Leerstand . So geplant auch in der Hafenstraße. Eine Entwicklung, die einige nicht tatenlos hinnehmen wollen...

Oktober 1981:[img_assist|nid=3519|title=Hafenstrasse|desc=|link=node|align=left|width=250|height=166]

Jugendliche besetzen – zunächst unbemerkt – die zwölf leerstehenden Hafenstraßen-Häuser. Die stadteigenen Häuser sind ziemlich verfallen.

 

 

 

 

April - Juli  - August - November 1982:

  • Die SAGA, Eigentümerin der Gebäude, bemerkt den beendeten Leerstand.
  • Die Bausubstanz wird durch einen Gutachter geprüft. Ergebnis: Die Instandsetzungskosten liegen weit unter den Abriß- und Neubaukosten.
  • Die Saga läßt die Fenster in der Bernhard-Nocht-Str. 16 zumauern, die Reaktion der BewohnerInnen erfolgt postwendend: Sie mauern den Eingang der Saga-Verwaltung in Altona zu.
  • Ein Abkommen zwischen Senat und BesetzerInnen schreibt die Sanierung eines Teils der vom Abriß bedrohten Häuser fest.

November 1983:

Die BesetzerInnen werden BewohnerInnen. Mit rund 100 Personen werden für 27 Wohnungen dreijährige Mietverträge unterzeichnet.

Winter/Frühjahr 1984:

Mit Hilfe eines von der GAL gespendeten Gerüstes wird die Seitenwandfassade Bernhard-Nocht-Str. 16/Hafenstr.126 instandgesetzt.

April - Mai/Juni - Oktober 1985:

  • Der Bezirksamtsleiter-Mitte Jungesblut erklärt die Häuser für nicht erhaltenswert. Das Bezirksamt beantragt die Unbewohnbarkeitserklärung, der Wohnungsausschuß stimmt zu, und die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschließt am 9.05.1985 die Räumung und den Abriß. Gegen die Unbewohnbarkeitserklärung legen die BewohnerInnen juristischen Widerspruch ein. Am 11.Mai 85 werden aus dem Bezirksamt Mitte Akten entwendet. In ihnen ist belegt, daß die "Unbewohnbarkeit" nicht festzustellen war.
  • In der Bernhard-Nocht-Str. wird mit Hilfe einer GAL-Spende das STOERTEBECKERZENTRUM aufgebaut; bei der Einweihung wird die Simon-von-Utrecht-Str. in Störtebeker-Str. umbenannt (S.v.Utrecht war der staatliche Häscher Störtebekers).
  • Verfassungsschutzchef Christian Lochte wittert RAF-SympathisantInnen in der Hafenstraße.

Oktober - Dezember 1986:

  • Mit Unterstützung von vier Hundertschaften der Polizei werden sechs Wohnungen geräumt.
  • Kurz vor Ende der Mietverträge demonstrieren rund 10.000 Menschen für den Erhalt der Hafenstraße. Bei anschließenden Auseinandersetzungen mit der Polizei gibt es Verletzte.

Januar - April - Mai - Juli - November 1987:

  • Die geräumten sechs Wohnungen werden wieder besetzt.
  • Am „Tag X” starten UnterstützerInnengruppen verschiedene Aktionen für die Hafenstraße.
  • Der Mäzen Jan Philipp Reemtsma bietet Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) vergeblich den Kauf der Häuser zu einem „politischen Preis” an.
  • BewohnerInnen bauen die Hafenstraße festungsähnlich aus, um Räumungen zu verhindern.
  • Der neu gegründete Verein Hafenstraße soll als juristischer Partner des Senats einen Pachtvertrag abschließen. Dohnanyi stellt ein Ultimatum zur Beseitigung der Barrikaden. Mit Ablauf des Ultimatums sind die Barrikaden beseitigt, und der Pachtvertrag wird unterzeichnet.

Februar - Mai 1988:

  • Die Stadt überläßt der stadteigenen Lawaetz-Stiftung die Hafenstraßen-Grundstücke. Zur Instandsetzung der maroden Häuser werden zunächst 500.000 Mark bewilligt. Bei Auseinandersetzungen zwischen BewohnerInnen und Polizei werden acht Beamte verletzt.
  • Nach erneuten Auseinandersetzungen tritt Dohnanyi überraschend zurück. Nachfolger wird Hafenstraßen-Kritiker Henning Voscherau. Für Henning Voscherau ist die Lage in der Hafenstrasse rechtswidrig. Der Pachtvertrag soll gekündigt werden, die Häuser anschließend geräumt.

März - April - September 1989:

  • Die Verwaltung der Häuser geht von der Stiftung auf die dem Senat direkt unterstellte „Hafenrand GmbH” über.
  • Die Kündigung erfolgt.
  • Beginn des Zivilprozesses um die Räumung der Hafenstrasse.

Mai 1990:

3000 PolizistInnen durchsuchen die Häuser nach RAF-Mitgliedern. Fündig werden sie nicht.

Januar 1991:

Das Hamburger Verwaltungsgericht erklärt die Kündigungen für rechtmäßig.

April 1993:

Das Hanseatische Oberlandesgericht bestätigt ebenfalls die Kündigungen.

November 1993:

Das Landgericht Hamburg gibt den Räumungsbegehren der Stadt statt: Nun droht die baldige Räumung.

Februar - April - Dezember 1994:

  • Das Bundesverfassungsgericht nimmt Verfassungsbeschwerden der Bewohner nicht zur Entscheidung an. Doch Henning Voscherau macht eine überraschende Kehrtwende. Wenn die Hafenstraßen BewohnerInnen die Bebauung von Freiflächen neben „ihren” Häusern akzeptieren, könnte auf deren Räumung und Abriß doch noch verzichtet werden.
  • Ohne große Protestaktionen beginnt der Bau von 55 Sozialwohnungen auf einer der Hafenstraßen-Freiflächen.
  • Voscherau sieht die Bewährungsfrist für die BewohnerInnen als beendet. Nun müsse die Bürgerschaft entscheiden: Räumung oder Verkauf.

Februar - Juni - Dezember 1995:

  • Senat und Bürgerschaft beschließen mehrheitlich Verhandlungen zur Privatisierung der Hafenstraßen-Häuser.
  • Stadtentwicklungssenator Thomas Mirow präsentiert eine Genossenschaft um Rechtsanwalt Hans-Joachim Waitz als potentielle Käuferin.
  • Der Senat beschließt den Verkauf der Hafenstraßen-Häuser für 2,28 Millionen Mark (incl. BewohnerInnen-Altschulden) an die Genossenschaft „Alternativen am Elbufer” und stellt staatliche Sanierungs-Hilfen in Aussicht. Die Genossenschaft stimmt dem Vertrag ebenfalls zu und kündigt an, die Häuser binnen sechs Jahren auf Vordermann zu bringen.

vgl.: Wikipedia - Hafenstraße

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