Senator Rabe profiliert sich auf Kosten der Profiloberstufe

Schwamm und Kreide für Schultafel in entsprechender Ablage

Hamburg streitet über das Zentralabitur. Der Widerstand gegen die Pläne von Senator Rabe ist groß. Am Donnerstag, 31.05., hatte die GAL-Fraktion zum Fachgespräch eingeladen – gut 40 Interessierte kamen ins Rathaus. Als Expertinnen und Experten waren eingeladen: Margarete Eisele-Becker, Vereinigung der Leiter an Hamburger Gymnasien und Studienseminare; Christian Siegel, Oberstufenleiter der Stadtteilschule Walddörfer; Eva Kowalski-Stasiak, Elternkammer Hamburg; Sabine Fernau, Geschäftsführerin der Initiative Naturwissenschaft und Technik (NaT); Dr. Christina Boll, Senior Economist im Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut.

Auch die Zuhörerschaft war breit gefächert. Es wurde deutlich: Die Front gegen die Pläne des Senators zur Einführung des Zentralabiturs in allen Fächern ist stark. Stadtteilschulen und Gymnasien stehen Seite an Seite, ebenso wie der Deutsche Lehrerverband Hamburg mit der GEW (wann gab es das das letzte Mal?). Außerdem kritisch sind Elternkammer, SchülerInnenkammer und Lehrerkammer. Unterstützt wird diese Front von der NaT, von Airbus und Lufthansa Technik sowie weiteren kooperierenden Unternehmen.

Am Ende einer engagierten Diskussion waren sich in alle Beteiligten in einer Sache einig: Die Profiloberstufe darf auf keinen Fall zerstört werden – sie ist vielmehr ein Exportmodell für die ganze Bundesrepublik.

Die aufgezählten Vorteile der Profiloberstufe lesen sich wie ein Verkaufsschlager. Denn sie fördert vernetztes Denken, selbstständiges Arbeiten, moderne Unterrichtsformen, Teamarbeit bei Lehrkräften wie bei Schülerinnen und Schülern, vertiefte Kenntnisse in speziellen Lernbereichen, die Anzahl der Studierenden in MINT-Fächern, den Besuch außerschulischer Lernorte, die innere Schulentwicklung, den Anwendungsbezug eigentlich „trockener“ Fächer, die Motivation der Lehrkräfte und nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt. Nachteile der Profiloberstufe konnten von keiner/keinem Anwesenden ausgemacht werden.

Umso mehr muss man sich fragen: Warum will Senator Rabe die Profiloberstufen zerstören? Das Zentralabitur in diesem Bereich würde nur acht (!) Prozent in der Wertung der endgültigen Abiturnote ausmachen. Diese acht Prozent zieht ein „Teaching to the test“ nach sich – denn die Schülerinnen und Schüler müssen natürlich für die Themen des Zentralabiturs fit gemacht werden. Diesen acht Prozent stehen die in jahrelanger Arbeit erstellten Profile und die Demontage der Kooperation zwischen den Schulen und der Wirtschaft gegenüber, nicht zuletzt auch eine erhebliche Demotivation aller an der Erarbeitung betroffenen Lehrkräfte – 250 von ihnen, die in die Kooperationen eingebunden sind. Dies alles vor dem erwiesenen Hintergrund, dass zentrale Prüfungen das Niveau der Anforderungen senken und noch nicht einmal ein Mittel zur Standardsicherung sind.

Am Ende der Veranstaltung fragten sich alle: Warum diese Hast? Warum versucht der Senator und amtierende KMK-Präsident sein bundesweites Profil auf Kosten der Hamburger Schulprofile zu schärfen?

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