Von der Mär der äußeren Differenzierung

Einmal mehr pocht die Hamburger CDU darauf, dass die Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) zur „äußeren Fachleistungsdifferenzierung“ (also dem Einteilen der Jugendlichen in „gute“ und „schlechte“ Schüler*innen) unbedingt eingehalten werden müssten. Überschrieben ist der dazugehörige Artikel im Abendblatt mit den Worten, „CDU für mehr Leistungsförderung“. Damit läuft sie in mehrfacher Hinsicht völlig in die Leere: Zum einen ist es – wenn es die pädagogischen Konzepte der jeweiligen selbstverantworteten Schule zulassen – für die Kinder und Jugendlichen sehr viel besser, nach der ersten Trennung im Alter von zehn Jahren nicht zwei Jahre später schon wieder selektiert – und damit auch von Freund*innen getrennt – zu werden. Eine Trennung fördert das Gefühl des Versagens und zerstört soziale Bindungen. Für die Selbst- und Sozialkompetenz der Jugendlichen ist die Trennung also kontraproduktiv.

Aber auch bezüglich der Fachkompetenz ist eine Einteilung in Kurse in eben diesen pädagogisch innovativ arbeitenden Schulen hinderlich – das zeigen die vielfachen Erfahrungen der klasseninternen Fachleistungsdifferenzierung vieler Stadtteilschulen mit modernen pädagogischen Konzepten. Dort können die Jugendlichen das Niveau, auf dem sie arbeiten wollen, mit Hilfe des Coachings der Lehrkräfte selbst wählen und sich ständig neu ausprobieren. So kommt es häufig vor, dass Jugendliche, die auf dem unteren (G-) Niveau begonnen haben, sich Stück für Stück auf das höhere (E-) Niveau arbeiten – ohne mühevoll den Kurs und damit die Lerngruppe zu wechseln. Dies geschieht häufig durch den „ersten Pädagogen“ – nämlich die Mitschüler*innen. Beraubt man die Jugendlichen der Chance, mit in diesem Fach leistungsstärkeren Schüler*innen zusammenzuarbeiten, beraubt man sie zugleich der Chance, einen höheren Schulabschluss zu erreichen. Und genau damit erreicht man eben nicht mehr, sondern weniger Leistungsförderung. Ich rate den Damen und Herren der CDU – und auch anderen Kritiker*innen der lerngruppeninternen Fachleistungsdifferenzierung – sich Schulen, die so arbeiten, einmal anzuschauen und mit den Jugendlichen zu sprechen. Das wäre besser, als eine Vereinheitlichung zu fordern, die Schaden anrichtet.

Einziges Fazit kann nur sein: Die KMK-Vorgaben müssen dringend überarbeitet werden. Nicht nur die Erwähnung der Haupt- und Realschule als (seit 2010 nicht mehr existierender) Hamburger Form zeigen, dass die Vorgaben antiquiert sind. Auch pädagogisch hat sich durch die immer weiter verändernde Schullandschaft so viel landes- wie auch bundesweit getan, dass die KMK dem auch mit seinen Vorgaben Rechnung tragen muss. Gebt den selbstverantworteten Schulen pädagogische Freiheiten! Dann klappt es auch mit der Leistungsförderung! Damit wäre vor allem den Kindern und Jugendlichen geholfen – denn um die geht es doch letztendlich?

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