DaZ – Ratzfatz!

Stuhlreihen hintereinander angeordnet, Lehnen und Sitzflächen in unterschiedlichen Farben

Ein Blick in den aktuellen Lagebericht Geflüchtete zeigt: In Hamburg werden zurzeit etwa 6.000 Schülerinnen und Schüler in 450 besonderen Sprachlernklassen unterrichtet. Die meisten von ihnen werden innerhalb eines Jahres in die Regelschulen übergehen. Jede dieser Lerngruppen braucht eine Lehrkraft, die weiß, wie man Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterrichtet – also benötigen wir allein für diese Klassen etwa 450 DaZ-Lehrkräfte. Doch damit ist es noch nicht getan, denn nach einem Jahr in einer dieser Klassen ist der Spracherwerb noch lange nicht abgeschlossen. Das werden all diejenigen bestätigen können, die schon einmal bewusst eine Fremdsprache gelernt haben. Wir alle wissen: Sprache ist der Schlüssel für den Zugang zu Bildung und damit auch der Schlüssel für Integration. Daher ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die zu uns kommenden Kinder und Jugendlichen qualitativ hochwertigen Deutschunterricht bekommen – nicht nur in den Sprachlernklassen, sondern gerade auch nach dem Übergang in die Regelklassen.

Dafür brauchen wir viele, viele DaZ-Lehrkräfte. Das Problem: Wir steuern auf einen Lehrermangel zu – bundesweit, eben auch in Hamburg. Diesen Mangel wollen wir hier in Hamburg verhindern. Dazu wollen wir das Zertifikat „Deutsch als Zweitsprache“ stärker im Referendariat verankern. Die Kunst dabei ist, die angehenden Lehrkräfte nicht zusätzlich zu belasten, sondern ihnen Alternativen anzubieten. Deshalb wollen wir prüfen, inwiefern sie das DaZ-Zertifikat erwerben und mit einer Benotung abschließen und damit möglicherweise einzelne Prüfungsleistungen ersetzen können. Was in Schleswig-Holstein seit 1. Februar 2016 Praxis ist, möchten wir auch in Hamburg möglich machen.

Wir denken – wie in Schleswig Holstein bereits umgesetzt - vor allem daran, die so genannte Schriftliche Arbeit durch ein DaZ-Zertifikat zu ersetzen. Die Arbeit ist Teil der Prüfungsleistungen neben zwei Prüfungsunterrichten und einer Mündlichen Prüfung. Sie wird lediglich einfach gewertet – anders als der Unterricht mit dem Faktor 1,5 und die Mündliche Prüfung mit dem Faktor 2. Und doch macht sie den Referendarinnen und Referendaren die meiste Arbeit. Oft sitzen sie über Wochen und Monate an einem Vorhaben, das lediglich 10 bis 15 Seiten Text umfasst. Aber verändern Schriftliche Arbeiten Schule bahnbrechend? Ich habe seit langem meine Zweifel. Zumal die vollendeten Werke laut Website des Landesinstitut bestenfalls in die Bibliothek des Landesinstituts gestellt werden – meistens jedoch im Archiv über Jahrzehnte ein einsames Dasein fristen.

Wir wollen das anders machen und bei der Referendariatsausbildung kreative Wege gehen. Wir wollen den in Hamburg jedes Jahr neu anfangenden etwa 550 Lehrkräften die Möglichkeit geben, ihre Zeit sinnvoll zu investieren – im Sinne der zu uns geflüchteten Kinder und im Sinne der Integration hier in Hamburg.

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