„Das war ich nicht, das war schon so“

Makroaufnahme von Stiften

In einem Interview mit der WELT am 18. Juni hat Senator Rabe den verzögerten Schulbau wieder einmal mit der Vorgängerregierung begründet: Die habe zu wenig Geld für den Schulbau zur Verfügung gestellt. Diese Schallplatte hat offensichtlich einen Sprung, denn wieder und wieder macht er – übrigens als einziger Senator – den Vorgängersenat verantwortlich. Frei nach dem Motto: „Das war ich nicht, das war schon so." Tatsache ist jedoch: Senator Rabe übernimmt keine Verantwortung für sein Handeln. Dabei ist er verantwortlich, und zwar seit anderthalb Jahren. Innerhalb dieser Zeit hat er es offensichtlich nicht geschafft, die Strukturen von „Schulbau Hamburg“ effizient aufzustellen und eine wirksame (Kosten-)Kontrolle einzuführen – das ist das eigentliche Problem.

Senator Rabe fordert, dass der Unterricht besser werden muss. Das ist eine wichtige und richtige Aussage. Leider wird diese Aussage durch seine vielen bisherigen und auch geplanten Amtshandlungen konterkariert:

  • Die Lehrerausbildung wird sich ändern: Es wird für Referendarinnen und Referendare keine dreimonatige Phase der Orientierung mehr geben, zugleich wird die Zahl der eigenverantwortlich gegebenen Stunden von acht auf zehn Stunden in der Woche erhöht. Die jungen Lehrkräfte werden massiv überlastet.
  • Die Umsetzung der Inklusion ist unzureichend gesteuert: Bei einzelnen Schulen haben nahezu 40 Prozent der angemeldeten Kinder einen sonderpädagogischen Förderbedarf, andere Schulen haben gar keine Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Zudem werden die Lehrkräfte der Sonder- und Förderschulen nicht konsequent genug umgesetzt. Dies führt zu einer schlechten Ausstattung an den betroffenen Grund- und Stadtteilschulen.
  • Im Rahmen der Einsparungen wird das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung 22 Stellen einsparen müssen. Wie soll dann die „Fortbildungsoffensive" personell umgesetzt werden?
  • Die Schulen, die sich bereits durch hochwertige pädagogische Konzepte auszeichnen, werden in ihrer Entwicklung nicht gestützt – auf ihrem Schulgelände sieht es eher aus wie im Hamburger Containerhafen. Unter diesen Schulen befinden sich die preisgekrönte Max-Brauer-Schule sowie die Schule Rellinger Straße.

Die mit messbar guten Ergebnissen verlaufende Profiloberstufe wird von Senator Rabe durch die Einführung des Zentralabiturs in alles Fächern mit einem Handstreich zerstört. Die an der Entwicklung der Oberstufe beteiligten Lehrkräfte bleiben ratlos und demotiviert zurück.

Dies alles sind falsche Weichenstellungen für die Zukunft, die weitreichende Folgen für die Unterrichtsqualität haben werden. Einziger Trost: Der nächste Senator oder die nächste Senatorin wird das hoffentlich wieder ändern – und nicht nur sagen: „Das war ich nicht, das war schon so!"

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