SEPL: Schlangenlinien statt klarer Kurs

ein Stoffhase und daneben eine Tafel mit einer Rechnung

Chaos statt Klarheit. Das war der Eindruck, der nach der öffentlichen Anhörung zum Schulentwicklungsplan - liebevoll "SEPL" genannt - bleibt. Der Andrang war groß am Dienstagabend (17.1.) im Kaisersaal des Rathauses. Denn etliche Schulen und Eltern fühlten sich in dem Plan übergangen oder nicht berücksichtigt. Nun, das ist mit Sicherheit nichts Neues – denn kein Schulentwicklungsplan dieser Welt wird Eltern, Lehrkräften und Kindern all ihre Wünsche erfüllen können. Aber wenigstens gewisse Grundsätze einhalten – das wäre schon eine wichtige Sache. Dies ist bei diesem Plan jedoch nicht zu erkennen.
 
So ging die Schlangenlinie gleich zu Anfang der Stellungnahme des Senates los: Stehen im SEPL noch Schülerzahlen bis zum Jahr 2022, ruderte der Senator zurück und behauptete, der Plan gelte nur für die nächsten fünf Jahre. Noch kurviger wurde es jedoch bei der Frage, wo denn nun zuerst oder überhaupt gebaut werden solle: Hier gelte der Grundsatz "Wir bauen dort, wo die Eltern hinwollen." Das ist in den allermeisten Fällen nachvollziehbar (und erhält einen gewissen Frieden in der Stadt). Etliche Beispiele aber widersprechen diesem eigentlich richtigen Prinzip:  Warum, fragt man sich, wird etwa an den Schulen Rellinger Straße und Grumbrechtstraße – die seit Jahren viele Anmeldungen von Schülerinnen und Schüler ablehnen müssen und aus allen Nähten platzen – nicht gebaut? Beide Schulen nehmen am Schulversuch "Sechsjährige Grundschule" teil. Das Argument des Senators, man würde nicht nur für fünfte und sechste Klassen bauen, klingt zunächst stichhaltig. Allerdings: Sollte dieser Schulversuch auslaufen, dann könnten die zusätzlichen Räume für weitere Züge genutzt werden. Es wäre also kein Geld unnütz verbaut worden – im Gegenteil: Der Frieden unter den Eltern wäre viel einfacher herzustellen.
 
Schlangenlinien sind auch beim Grundsatz "Schulpolitik ist auch Sozial(demokratische)politik" zu erkennen: So zeichnet es sich im SEPL ab, dass mitten im gutbürgerlichen Bezirk Eimsbüttel eine Schule, die alle Statistiken einer Wilhelmsburger Brennpunktschule erfüllt, dauerhaft ihr Dasein fristen muss – ohne Möglichkeit der Entwicklung. Hier geht es um die Schule Vizelinstraße – neun von zehn Kindern haben dort einen Migrationshintergrund, etwa 20 Prozent der Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf, KESS-Faktor 1. Die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Schulen Döhrnstraße und Lutterothstraße haben den KESS-Faktor 5. Nun gäbe es durch ein in der Nähe der Schule Vizelinstraße entstehendes großes Neubaugebiet (mit qm-Preisen ab 4.500 Euro) die einmalige Möglichkeit, an der Schule Vizelinstraße Zubauten zu erschaffen und damit die Schülerschaft sozial heterogener zu durchmischen. Was aber steht im SEPL? Zubauten sind geplant – allerdings in der Döhrnstraße. Eine gradlinige Sozial- und Schulpolitik sieht anders aus. Das sahen am Ende auch dutzende Eltern so und mussten enttäuscht aus dem Rathaus nach Hause gehen…

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