Elektroräder für Hamburg

Am Freitag habe ich der Presse unseren Antrag vorgestellt, die Stadtrad-Flotte mit Pedelecs auszustatten. Pedelecs sind Fahrräder mit einem elektrischen Hilfsmotor, der den/die Fahrende beim Treten unterstützt, bei 25 km/h ist aber Schluss. Finanzieren möchte ich das durch den Mehreinnahmen des „Einstieg vorn“ Projekts des HVV.

Die Hamburger Morgenpost hat die Idee aufgenommen und darüber berichtet. Bei der LeserInnenschaft der Mopo kommt die Idee nicht so gut an. Hauptargumente  Geldverschwendung, Strom aus Moorburg, Radel-Faulheit.

Für mich zeigen diese Einwände in erster Linie, dass das Pedelec noch ein Nischendasein führt und mit einer Menge Vorurteile kämpfen muss.

Denn elektrisch betriebene Fahrräder sind keine Mofas, wo mensch überhaupt nichts mehr tun muss. Der/die NutzerIn muss trotzdem noch treten, aber das Treten wird einfacher. Das heißt,

  • dass auch nicht so fahrradaffine Menschen sich leicht durch die Stadt bewegen können,
  • dass Menschen im Business-Dress nicht total verschwitzt bei der Arbeit ankommen,
  • dass körperlich eingeschränkte, auch ältere Menschen wieder längere Strecken mit dem Rad zurücklegen können,
  • dass Gegenwind und (ja, auch die gibt’s in Hamburg) Steigungen leicht überwindbar sind.

Mit einem Pedelec macht das Fahrradfahren wieder Spaß und genau das soll Radfahren auch machen. Dabei geht es mir nicht darum, nur glückliche Hamburgerinnen zu sehen. Ich möchte erreichen, dass die Menschen vermehrt auf das Auto und auf die ÖPNV-Nutzung verzichten und das Radfahren als wirkliche Alternative entdecken.

Denn unsere Straßen sind zu voll! Die Autos produzieren Staus, Lärm, schlechte Luft. Auch der ÖPNV ist an seiner Kapazitätsgrenze. Die kommende Busbeschleunigung wird uns für ein paar Jahre Luft verschaffen, aber spätestens 2020 haben wir das gleiche Problem.

Deswegen müssen wir den Radverkehr stärken. Das bedeutet zum einen bessere Radwege, Radfahrstreifen, Ausbau von Streckennetzen. Es bedeutet aber auch, das Fahrrad als Teil des Mobilitätsverbundes anzusehen. Denn zukünftig werden die Menschen nicht mehr nur mit einem Verkehrsmittel von A nach B gelangen, sie werden verschiedene Elemente nutzen. Car2Go, CarSharing, ÖPNV und Stadtrad spielen da zusammen.  Damit erübrigt sich auch das Argument der SPD (auch die ist dagegen - klar!), es wäre unsinnig, dass HVV-Fahrgäste für die Stadträder bezahlen. Laut einer StadtRad-NutzerInnenbefragung im Februar 2010 haben 20 Prozent der Befragten  durch das Stadtrad den ÖPNV häufiger genutzt. 15 Prozent haben sich sogar für den Kauf eines HVV-Abos entschieden oder denken darüber nach. Gleichzeitig kommt es auch zu einer Entlastung des motorisierten Verkehrs. 51 Prozent gaben an, ihr Auto durch das Stadtrad weniger zu benutzen und 23 Prozent fahren weniger mit dem ÖPNV.

Wenn das Stadtrad jetzt eine gewisse Anzahl von elektrisch betriebenen Drahteseln im Programm hat, profitiert davon die ganze Stadt. Diese Pedelecs sind für Menschen gedacht, die gerne Radfahren, denen es aber schwerfällt. Eingefleischte RadlerInnen wie ich werden so ein Pedelec eher selten nutzen. Wir haben ja unsere eigenen Räder und sind es gewohnt bei Wind und Wetter auch lange Strecken zu überwinden.

Ein Wort noch zum Energieverbrauch: Ja, auch ein Pedelec braucht Strom und die Akkus erzeugen Müll. Aber verglichen mit einem Auto – und darum geht es: Autofahrende zu erreichen – ist der Verbrauch verschwindet gering.  Je nach Nutzungshäufigkeit, Weg und Gewicht liegt der Stromverbrauch bei 0,5 bis 2 kWh auf 100 Kilometer. Ein Elektro-Smart dagegen hat einen Stromverbrauch von 12 kWh pro 100 km angegeben. Also bis zu 24 Mal so viel. Es versteht sich von selbst, dass ich dafür plädiere, Ökostrom zum Aufladen der Akkus zu nutzen. Für die StadtRäder wäre doch HAMBURG ENERGIE doch der richtige Lieferant.

Kommentare

Gespeichert von Frank Heitmeyer (nicht überprüft) am 23.11.2011 - 10:12

Klasse. Das Thema gut auf den Punkt gebracht. Ein eBike ist ein Mittel zur Mobilität, und bringt Leute auf das Fahrrad, die sonst andere Verkehrsmittel nutzen würden. Punkt. (Wer sein Rad als Sport oder Fitnessgerät sieht, dem bleibt es natürlich unbenommen, es weiter zu lieben und zu nutzen.)

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