Falsche Weichenstellung bei der Inklusion

Comic: Kinder unterschiedlichster Herkunft nebeneinander dargestellt

Im Schulausschuss wird es heute eine öffentliche Anhörung zum Thema „Inklusive Bildung an Hamburgs Schulen“ geben. Die diesbezügliche Drucksache wird das Recht aller Kinder auf den Besuch einer allgemeinen Schule konkretisieren und die Weichen für die Zukunft stellen. Viele kluge und richtige Gedanken finden sich in dem Papier. Unter anderem wird der Inklusionsgedanke durch die Feststellung untermauert, dass die Bildungspläne wirklich für alle Schülerinnen und Schüler an den allgemeinen Schulen gelten. In Kernbereichen werden aber leider auch eklatante und weitreichende Fehler gemacht.

Eltern und Kinder sollen beispielsweise nicht an der Gestaltung der Förderpläne beteiligt werden, sie bekommen sie nur ausgehändigt und erläutert. Dies widerspricht dem Schulgesetz, das festschreibt, die Förderziele gemeinsam zu entwickeln. Außerdem fällt Hamburg durch die Drucksache bei der Leistungsrückmeldung weit hinter das zurück, was schon vor 25 Jahren erreicht wurde: Damals ermöglichte die Einrichtung von Integrations- und integrativen Regelklassen den Schulen, alternative Rückmeldeformate für die ganze Klasse oder Schule anzuwenden. Allen Kindern können so Schwächen, vor allem aber auch Stärken mitgeteilt werden. Das schafft Erfolgserlebnisse. Wie muss es einem Kind gehen, das nur noch Fünfen und Sechsen auf dem Zeugnis bekommt? Das wird künftig durchaus geschehen, da der Verzicht auf Ziffernzensuren nur für die „zieldifferent zu unterrichtenden Schülerinnen und Schüler“ gilt. Und das sind nicht viele. Sollten nicht folgende Grundsätze herrschen: „Kein Kind kann nichts“ und „Lernen braucht Erfolgserlebnisse“?

Wirklich dramatisch ist jedoch die gewollte Untersteuerung der Schülerströme im weiterführenden Bereich. Die Drucksache schließt Gymnasien in der Frage der Inklusion praktisch aus. Jedoch zu Unrecht: Aus falsch verstandener Rücksichtnahme wird die pädagogische Kompetenz der Gymnasien abgewertet. Vor allem aber wird den Schülerinnen und Schülern – und damit 50 Prozent der Jugendlichen – die Möglichkeit genommen, sich gemeinsam auf eine inklusive Gesellschaft vorzubereiten. Ein weiterer Nebeneffekt: Eine völlige Überlastung des zarten Pflänzchens Stadtteilschule – die noch dazu mit allzu niedrigen Ressourcen abgespeist wird.

So kann Inklusion nicht gelingen.

Kommentare

Gespeichert von Laura Schwörer (nicht überprüft) am 20.02.2014 - 11:33

 

Tief in meinem Herzen sehne ich mich danach dass die verheißungsvolle Utopie von Inklusion, Emanzipation und Partizipation endlich eine Verwandlung und Einpflanzung in die Wirklichkeit vollzieht, mit Hilfe eines Paradigmenwechsels der Barrieren und Vorurteile in den Köpfen abbauen soll, um nicht mehr nach seiner Beeinträchtigung, Herkunft oder Religion, sondern nur noch nach seiner individuellen Persönlichkeit wahrgenommen zu werden. Ich finde dass eine inklusive Gesellschaft und Bildung selbstverständlich sein sollte, damit auch keine Integration mehr notwendig ist. Ich schenke Ihrem sozialem Engagement sehr viel Bewunderung, weil es dafür sorgt dass mehr Menschen miteinander harmonisieren und die Welt auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Dafür bin ich Ihnen extrem dankbar und ich wollte Ihnen noch sagen dass ich selbst ein Teil eines inklusiven Projektes von der Stiftung Drachensee bin, falls Sie es sehen möchten.

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