WM 2011: Hamburger Senat stellt Frauen ins Abseits

Luftaufnahme Fußball WM 2008, Menschenmassen mit Fahnen, Fanfest Heiligengeistfeld Hamburg

Heute spielt Deutschland bei der Frauen-WM gegen Nigeria. Nächstes Spiel, nächster Sieg? Lang ersehnt war das Turnier von vielen Männern und Frauen hier in Hamburg – und nicht nur von Fußballfans. Lang ersehnt auch in anderen Teilen Deutschlands. Das lässt sich an den Zuschauerzahlen ablesen:

Olympia-Stadion mit 75.000 Plätzen ausverkauft, 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Public Viewing in Frankfurt, 14 Millionen Menschen vor den Fernsehern. Die Begeisterung ist spürbar.

Die Voraussetzungen sind gut, um ein weiteres Sommermärchen zu zaubern. Jedoch: Das Heiligengeistfeld hat sich nicht in eine große Fanmeile verwandelt – angeblich mangels privater Investoren, die das Fanfest ausrichten wollen. Auch andernorts und eine Nummer kleiner hätte es ein Fanfest geben können. Leider hat der Senat keine Schritte unternommen, um – wie 2006 – die Tradition eines Fanfestes aufzubauen.

Denn auch 2006 entstand das Fanfest im Rahmen der Männer-WM nicht von selbst.  Die Politik  hat dies damals aktiv begfleitet.  Jetzt ist die WM wieder im eigenen Land, aber die regierende SPD lässt das Thema anscheinend völlig kalt. Für mich  ist das ein  weiteres Indiz für einen Senat, der schon die Arbeitsstelle Vielfalt gestrichen hat und keine Anstrengungen unternimmt, um Frauenförderung und Gleichstellung in Hamburg voranzutreiben. Frauen stehen in Hamburg ganz klar im Abseits.

Da bleibt nur eins: Public Viewing selber organisieren – selbst ist die Frau! Meine Kollegin Anna Gallina, frauenpolitische Sprecherin der Bezirksfraktion, und ich als Sprecherin für Frauen und Gleichstellung in der Bürgerschaftsfraktion, hatten zum Spiel „Deutschland gegen Kanada“ in die Räume und den Garten der GAL Eimsbüttel zu einem kleinen Fanfest eingeladen. Es wurde zu einem Nachbarschaftsfest mit rund 50 Männern und Frauen, mit Grillen, Kickern, Klönen – und vor allem Fußball schauen.

Eines wurde dabei deutlich: Die Frauen spielen attraktiven, technisch versierten, schnellen Fußball. Sie sind sportlich ganz klar in der Ersten Liga angekommen – in Hamburg aber nicht in der Ersten Liga der Aufmerksamkeit. Umso weniger ist verständlich, warum diese einmalige Chance – eine WM im eigenen Land – vom Senat verschlafen wurde.

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