Atomfracht an Bord – Beinahekatastrophe am 1. Mai?

Brand des Frachters „Atlantic Cartier”

Atomfracht an Bord – Beinahekatastrophe am 1. Mai?

Wie knapp ist Hamburg am 1. Mai an einer Katastrophe vorbeigeschrammt? Kurz nach dem Eröffnungsgottesdienst zum Kirchentag brannte im Hafen der Frachter „Atlantic Cartier“. Eine Grünen-Anfrage deckt jetzt auf: An Bord waren neben Munition mehr als 20 Tonnen radioaktive Stoffe, davon 9 Tonnen hochgefährliches Uranhexafluorid. Geeignetes Löschmittel war in Norddeutschland nicht auf Lager.
Luftaufnahme Hamburger Hafen. Bildvordergrund Häuser

Die Grünen wollen jetzt wissen: Warum hat der Senat die entscheidenden Fakten verschweigen?

Anjes Tjarks, hafenpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, erklärt:

„Wie knapp ist Hamburg am 1. Mai an einer Katastrophe vorbeigeschrammt? Erst jetzt erfahren wir, dass an Bord des brennenden Frachters ,Atlantic Cartier‘ hochgefährliches Uranhexafluorid war. Der Stoff ist radioaktiv und für Menschen lebensgefährlich. Es ist nicht auszudenken, was hätte passieren können. Unmittelbar vor dem Brand fand in der HafenCity in Sichtweite zum O'Swald-Terminal noch der Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags mit rund 35.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über die brisante Ladung informiert hat. Hier muss man schon fast von einem Vertuschungsversuch sprechen.

Hamburg hat es seiner Feuerwehr zu verdanken, dass es hier nicht zu einer Katastrophe für Menschen und Umwelt gekommen ist. Die Einsatzkräfte haben unter widrigsten Umständen und unter Lebensgefahr die Uran-Container von Bord geholt. Wenn es richtig ist, daß in ganz Norddeutschland nicht das angeforderte CO2 zum Löschen verfügbar war, dann ist das ein handfester Skandal. Ist Hamburg auf solche Unfälle überhaupt nicht vorbereitet? Warum hat der Senat der Öffentlichkeit die entscheidenden Fakten verschweigen? Der Innensenator wird in den nächsten Tagen diese und weitere Fragen beantworten müssen.“

Hintergrund
Auf Anfrage des Grünen Abgeordneten Anjes Tjarks hat der Senat mitgeteilt, dass sich an Bord des am 1. und 2. Mai im Hamburger Hafen ausgebrannten Frachters „Atlantic Cartier“ über 20 Tonnen radioaktives Material befanden, davon 8,9 Tonnen hochgefährliches Uranhexafluorid. Außerdem befanden sich 3,8 Tonnen Munition an Bord des Frachters.

Uranhexafluorid (korrigierte Fassung, 22.05.13)
Uranhexafluorid wird verwendet, um Uran235 von Uran238 zu trennen. Aus Uran235 werden Brennelemente für Atomkraftwerke oder Nuklearmaterial für Atombomben hergestellt. Uranhexafluorid ist vorwiegend ein Alphastrahler und hochgiftig. Aufgrund der Halbwertzeiten von Uran238 (4,5 Milliarden Jahre) und von Uran235 (rund 700 Millionen Jahre) bleibt ein einmal verstrahltes Gebiet dauerhaft kontaminiert. Flusssäure, die entsteht, wenn Uranhexafluorid mit Wasser in Kontakt kommt, ist hochgiftig und wirkt stark ätzend auf Haut, Schleimhäute und Bindehäute. Die Substanz ist lebensgefährlich beim Einatmen, Verschlucken und bei Berührung mit der Haut.

Ablauf der Löscharbeiten
Der Gesamteinsatz der Feuerwehr dauerte ca. 15, 5 Stunden, vom 1. Mai 2013, 20:02 Uhr bis zum 2. Mai 2013 11:41 Uhr. Um 05:11 Uhr befand sich der Brand unter Kontrolle. Ab 23:08 Uhr wurden die ersten Maßnahmen zur Bergung der insgesamt 33 Gefahrgutcontainer eingeleitet, am 2. Mai 2013 um 03:35 Uhr waren diese Maßnahmen abgeschlossen. Zusätzlich führte die Feuerwehr eine Löschwasserrückhaltung durch. Insgesamt waren 296 Feuerwehrleute im Einsatz. Darüber hinaus waren zwei Löschboote, drei Schlepper und drei Polizeiboote sowie an Land 76 Fahrzeuge im Einsatz. Für die Ablösung wurden zusätzlich 17 Fahrzeuge eingesetzt. An Bord kam ein Löschroboter zum Einsatz.

Kommentare

Gespeichert von AngryCitizen (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 01:54

Eine kleine Korrektur zu den Gefahren von Uranhexafluorid:

Uran ist kein Gamma- sondern vorwiegend ein Alphastrahler, die radiologischen Gefahren sind im Vergleich zu den chemischen also eher gering. Nur bei längerem Verbleib von Uran-Isotopen im Körper ist also mit ernsthaften radiologisch bedingten Schäden zu rechnen.

Uranhexafluorid (UF6) ist in erster Linie für Organismen sehr gefährlich wegen des Wasserstofffluorids (HF; in Verbindung mit Wasser als Flußsäure bekannt) das sich bei Kontakt mit Wasser bildet, da dieses nicht nur sehr korrosiv ist, sondern sich auch leicht an Kalzium bindet. So kann es neben Augen und Lunge auch Nerven und Knochen schädigen. Besonders perfide daran ist, dass HF sehr leicht durch Gewebe diffundiert, also der bloße Kontakt damit schon zu schweren Symptomen führen kann. Zusätzlich ensteht bei der Reaktion mit Wasser ausserdem Uranylfluorid, welches relativ gut vom Körper aufgenommen wird und in der Leber zu (vorwiegend chemisch bedingten) Schäden führen kann.

Dazu kommt, dass UF6 zwar üblicherweise in fester Form aufbewahrt wird, bei atmosphärischen Bedingungen aber mehr oder weniger schnell zu einem Gas sublimiert. Dadurch wird es flüchtig und verteilt sich rasch, entfaltet sein Gefahrenpotenzial also schnell über einen grösseren Raum.

Referenzen:

Gespeichert von Markus Kropp (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 02:18

Herr Friedrich von der CSU sollte sich mal lieber eingehend mit solchen Fällen beschäftigen, als die eigenen Bürger immer mehr zu überwachen, um damit angeblich für deren Sicherheit zu sorgen.

Und wenn die Grünen sich dann noch eingehender  dem menschenverachtenden Einsatz von Uran-Munution unter anderem in Afghanistan, wo auch wir an einem Krieg aktiv beteiligt sind und waren, widmen würden, wären wir einen entscheidenden Schritt weiter.

Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Gespeichert von Schnuffel (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 05:09

Mit Uranhexafluorid putz ich mir die Zähne... :p

Gespeichert von Pustekuchen (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 05:37

Tja, und geht sowas total in die Hose, wird's direkt als Terror deklariert.

"Kirchentag mit dreckiger Vierundzwanzigtonnenbombe attackiert."

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 05:47

'Teilnehmerinnen und Teilnehmern' *facepalm*

Gespeichert von Informant (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 07:47

"Flusssäure ist noch ätzender als Salzsäure.."

Bitte nochmal nachrecherchieren. HF besitzt eine deutlich geringere Säurestärke als HCl.

Die Gefährlichkeit resultiert aus ganz anderen Eigenschaften (u.A. der Calciumfällung im Gewebe).

 

Gespeichert von Ika (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 09:02

Es ist falsch, dass Flusssäure ätzender als Salzsäure ist. Im Gegenteil. Es ist einfach nur sau giftig.

Gespeichert von Philipp (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 09:10

Hallo,

Uranhexafluorid wird verwendet, um Uran235 von Uran238 zu trennen. Aus Uran235 werden Brennelemente für Atomkraftwerke oder Nuklearmaterial für Atombomben hergestellt. Uranhexafluorid ist ein Gammastrahler und hochgiftig. Aufgrund der Uran-Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren bleibt ein einmal verstrahltes Gebiet dauerhaft kontaminiert.

der Skandal ist krass!

Der Abschnitt über den Hintergrund ist nur einfach falsch und macht den Artikel unglaubwürdig. Uranhexafluorid strahlt so, wie das Uran dort im Molekül es tut. Da kann man sich dann streiten.

Aber das mit den 4,5 Milliarden Jahren - den Satz solltet ihr besser streichen. Das gilt nämlich nur für das Uran 238. Das spaltbare ist das Uran 235 - mit einer Halbwertszeit von 703 Millionen Jahren.

Selbst das ist eigentlich noch viel zu viel um wirklich gefährlich zu sein - die gesundheitlichen Auswirkungen durch das hexafluorid wären wahrscheinlich gefährlicher. Einen noch nicht benutzten Brennstab für ein KKW kann man ohne Probleme anfassen - die Strahlendosis wäre ertragbar.

Wichtiger wäre die Info, ob das Zeug aus benutzten Brennstäben kam - dann wiederum lässt es sich nicht vermeiden, dass es mit durchaus gefährlichen anderen Elementen verunreinigt wäre. Lesetipp: https://de.wikipedia.org/wiki/Uran-Actinium-Reihe

Dann ist das Zeug wiederum hochgefährlich.

 

Beste Grüße

Philipp

Gespeichert von dth (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 09:13

Mir fehlen die Worte.

Wenn mein Auto einen Ölfleck macht bekomme ich  Stress!

Da hat ALLES versagt, welche Schlüsse werden daraus gezogen?

 

 

Gespeichert von student (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 09:14

"Bei Kontakt mit Wasser bildet Uranhexafluorid Flusssäure, ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Flusssäure ist noch ätzender als Salzsäure und hoch giftig."

Stimmt so nicht, bei Kontakt mit Wasser zersetzt es sich zwar (http://de.wikipedia.org/wiki/Uranhexafluorid), aber bei den Bedingungen(Löschaktion/Meer) ist reichlich Wasser vorhanden. Der so gebildete Fluorwasserstoff(gasförmig) sollte sofort in Lösung gehen und Flusssäure(flüssig, nicht wie im Text "gasförmig") bilden, diese ist übrigens bezogen auf die Säurestärke eine schwächere Säure (http://de.wikipedia.org/wiki/Flusss%C3%A4ure) als die anderen Halogenwasserstoffsäuren. Somit ist diese Säure keinesfalls ätzender als Salzsäure, wohl aber viel gefährlicher, da sie sehr gut durch die Haut dringen kann und dort Calciumionen fällt, die wiederum essentiell sind.

Gespeichert von Der Karl (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 11:13

Sorry, aber jemand der sich selbst "Hafenexperte" nennt, sollte schon wissen, mit den Begriffen "Fracht" und "Ladung" korrekt umzugehen

Gespeichert von aus dem irgendwo (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 12:25

@ Pustekuchen

Tja, und geht sowas total in die Hose, wird's direkt als Terror deklariert.

"Kirchentag mit dreckiger Vierundzwanzigtonnenbombe attackiert."

 

Was spricht dagegen, dass dies bereits als Frame-up von diversen Gladio-Truppen so angedacht gewesen?

 

 

 

Gespeichert von fnord (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 01:33

... gibt es denn in hamburg keinen chemie- und physikunterricht mehr in den höheren schulen ?

m(

Gespeichert von Stefan Mielchen (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 03:32

 

„Hier muss man schon fast von einem Vertuschungsversuch sprechen.“ Was ist denn das bitte für eine Aussage? Entweder ist es ein Vertuschungsversuch. Dann muss man das belegen können und klar so benennen. Oder es ist keiner. Dann klingt der Vorwurf zwar erstmal schick, weil sich das medial gut verkauft. Ist aber in der Sache nur ein lauer Versuch, dem Senat ans Bein zu pinkeln. Und damit keinen Deut besser als das, was man dem Senat vorwirft, nämlich unkorrekte Kommunikationspolitik. Klar, dass sich der hafenpolitische Sprecher hier profilieren will. Aber solche Profilierung sollte sich auf der Sachebene abspielen und nicht auf der rhetorischen. Was bringt das nachträgliche Heraufbeschwören einer vermeintlichen Katastrophe, eine nachträgliche Dramatisierung wie „Es ist nicht auszudenken, was hätte passieren können“, wenn tatsächlich die Feuerwehr dafür gesorgt hat, dass nichts passiert ist? Das ist die Boulevardisierung von Politik, wo es doch um andere Fragen gehen sollte, damit dergleichen nicht wieder geschehen kann.

Bild des Benutzers Claudia Hartmann
Gespeichert von Claudia Hartmann am 17.05.2013 - 03:35

Vielen Dank für Ihre vielen Kommentare, Hinweise und Korrekturen. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir es gerade nicht schaffen, Ihnen sofort zu antworten. Wir werden dies jedoch so bald wie möglich nachholen.

Herzlichen Dank,
Claudia Hartmann (Online-Redaktion)

 

Gespeichert von Philipp (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 04:30

Bitte lasst es sein, die Gefahren künstlich hochzuspielen - der Absatz mit der Flußsäure ist neu und auch der ist einfach mal falsch.

Leute, da haben fast VIER Tonnen Munition gebrannt, daneben 8 t Uranhexafluorid.

Ihr macht euch echt unglaubwürdig, wenn ihr am falschen Ende die Gefahren hochspielt (ob jetzt Flußsäure gefährlicher ist als lächerliche Salzsäure, die auslaufen könnte, ohne dass das das Hafenbecken auch nur interessiert), macht das doch mal die Meldung lächerlich.

 

Kam das Hexafluorid aus einer Wiederaufbereitungsanlage?

Gibt es Regularien, nach denen das Schiff oder der Hafen eine andere Löschvorrichtung gehabt haben müsste?

Warum ist es erlaubt, (explosive) Munition und chemische Gefahrgüter nebeneinander zu transportieren und dann noch damit in einen Binnenhafen einzulaufen?

 

Gespeichert von @Teddy (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 04:51

Warum fährt solch hochsensible Ladung mitten in eine Millionen-Stadt?

Was war den Behörden und der Politik bezgl. der Ladung bekannt?

Politiker stehen auf UNSERER Gehaltsliste - denk mal!

Jade-Weser-Port (nördl. WHV) wäre eine bessere Destination gewesen.

Noch besser: Solch gefährliche Ladungen machen den größtmöglichen

Bogen um unsere sensible und gestresste Nordsee.

Optimal wäre: Wir bräuchten diesen Mist nicht und würden nicht so denaturiert leben.

Grüße von @Teddy

 

Gespeichert von Jann Horn (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 04:57

Es stimmt zwar, dass die in der Natur auftretenden Isotope von Uran Alphastrahler sind, doch die Zerfallsprodukte sind auch wieder radioaktiv. So ergeben sich Zerfallsreihen, in der bei den beiden in der Natur auftretenden Uranisotopen sowohl Alphastrahlung als auch Betastrahlung, aber fast keine Gammastrahlung auftreten:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Uran-Radium-Reihe

http://de.wikipedia.org/wiki/Uran-Actinium-Reihe

Also: Da kommen Alpha- und Betastrahlung raus, aber fast keine Gammastrahlung.

Gespeichert von Olaf Harbart (nicht überprüft) am 17.05.2013 - 10:41

Interessant, dass es schwierig war genug CO² als Löschmittel zu beschaffen.

Ich kenne CO² Feuerlöscher  für den Einsatz in Elektroanlagen (Es ist schwerer als Luft, verdrängt den Sauerstoff und nimmt damit dem Feuer die Nahrung).

... Was ist denn nun aus der Idee geworden das böse CO² in der Erde zu verpressen?

Der Handel und der Steuerbetrug mit CO² Ablassscheinen lässt auch immer mehr nach... +

 

Besser man/frau verpresst CO² in Gasflaschen und überlässt es den Feuerwehren (und Treibhausgärtnern).

Hallelujah!

Gespeichert von Andreas (nicht überprüft) am 18.05.2013 - 08:57

Moin zusammen,

meine Frage an die Runde hier und vorallem an die Jenigen die sich über ein fehlerhaftes Krisen-Managament und von einer Vertuschung sprechen :

Was hätten Sie den gemacht ?Mit Lautsprecher Wagen durch die Stadt , das Stadtgebiet räumen und eine Maßenpanik ausgelöst mit mehr als 35.000 Gästen in der Stadt. ??

Die Feuerwehr hat einen super Job gemacht , es ist "nix" passiert, noch nicht einmal Löschwasser in die Elbe gelangt.

Ich bitte um ernst gemeinte Vorschläge, die auch realisierbar sind und nicht nur so daher gesagt.

Ich denke, daß sich die wenigsten bewußt sind, wie viele Gefährliche Sachen im Hafen unterwegs sind, von Monition über radioaktive Stoffe und höchst giftige Chemikalien. Und dann noch die falsch und nicht deklarierten Container.

 

Gespeichert von Lars (nicht überprüft) am 18.05.2013 - 11:59

Ist es ein Skandal was in Hamburg passiert ist ?

Ja!

Haben die Grünen Leute in Ihren Reihen die eine solide Ausbildung in den MINT Fächern haben?

Scheinbar nicht...

 

So werdet ihr nicht glaubwürdiger bei den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern...

 

 

 

Gespeichert von hans meiser (nicht überprüft) am 18.05.2013 - 01:29

Warum wird Uranhexafluorid und Munition auf demselben Schiff transportiert?

Gespeichert von Anna Mascareignes (nicht überprüft) am 19.05.2013 - 12:13

Immerhin war das Gefahrgut klariert; man wußte, wo die gefährlichen Güter zu finden sind und die Experten konnten entsprechend reagieren.

Größere Probleme bringt nicht klariertes Gefahrgut: es wird wie normale Fracht in die Schiffe gestaut und führt dann zu Notfallsituation weil z.B. brennbare Materialien neben Hitzequellen stehen. Hier liegt die viel größere Gefahr, weil man die entsprechenden Notfallpläne nicht zur Hand hat wie es eben bei klariertem Gefahrgut der Fall wäre.

Überall auf der Welt werden die gefährlichen Güter in den Häfen angemeldet mit Stauplatz, UN Nr. und Menge ;es gelten besondere Pack- und Stauvorschriften und diese werden überprüft. Zu jedem Gefahrgut gibt es zugehörige spezielle Notfallpläne. Die Wasserschutzpolizei überprüft in Deutschland die Einhaltung der Vorschriften.

Die Schiffe haben Staupläne aushängen über das bekannte Gefahrgut, da man um die Besonderheiten der Fracht weiß. Sie sind zugänglich für Feuerwehr, Behörden etc damit fremde Personen sich im Notfall schnell ein Bild machen können.

 

Gespeichert von Anjes Tjarks (nicht überprüft) am 21.05.2013 - 01:41

Hallo Andreas,

Du hast völlig Recht. Die Feuerwehr hat einen guten Job gemacht und wir sind den Einsatzkräften sehr dankbar, dass sie Schlimmeres verhindert haben. Sie haben das unter widrigen Bedingungen geschafft, denn nach unseren Informationen war beispielsweise das angeforderte CO2 als Löschmittel nicht verfügbar. Das ist ein ernsthaftes Problem.

Ich kann Dir hier keinen konkreten Evakuierungsplan für die Hafencity vorlegen. Aber ich möchte Dir kurz erklären, warum wir danach fragen: Die Eröffnungsveranstaltung mit 35.000 Menschen war wohl gegen ca. 19.00 Uhr beendet. Der Feueralarm für die Atlantic Cartier wurde um 20.02 ausgelöst, mir liegen mehrere Augenzeugenberichte vor, die beschreiben, dass das Gelände auch nach Abschluss der Veranstaltung gut gefüllt war. Abgesehen davon, ist die Hafencity auch ein Wohngebiet. Der Brand fand ca. 500 Meter Luftlinie entfernt statt.

Um 20.46 Uhr hat die Feuerwehr erfahren, dass es sich um ein Schiff mit Gefahrgut handelt. Ab 23:08 Uhr wurden die ersten Maßnahmen zur Bergung der Gefahrgutcontainer eingeleitet, am 2. Mai 2013 um 03:35 Uhr waren diese Maßnahmen abgeschlossen. Diese wurden aus dem "unmittelbar gefährdeten Bereich" (Aussage des Hamburger Senates) geborgen. Laut Aussage des Senates standen also 33 Gefahrgutcontainer mindestens 03:05 Stunden (max. 7:33 Stunden) im unmittelbar gefährdeten Bereich eines unkontrollierten Brandherdes.

Insofern stellt sich aus meiner Sicht die Frage schon sehr konkret, ob nach der Eröffnungsveranstaltung andere Maßnahmen auf dem Gelände hätten ergriffen werden müssen. Evakuierungen sind immer schwierig, aber es gibt Fälle, in denen sie dringend geboten sind. Hier möchte ich genauere Informationen über die entsprechenden Abwägungen vom Senat oder den zuständigen Behörden.

Auch wenn diesmal zum Glück alles gut gegangen ist: In den letzten 12 Wochen haben 21 Transporte von Uranhexafluorid in Hamburg stattgefunden. Größere Veranstaltungen am Wasser - etwa der Hafengeburtstag - sind hier an der Tagesordnung. Es stellt sich die Frage sehr drängend, ob diese Parallelität so bleiben sollte.

Als Vertuschung werte ich, dass die Behörden 14 Tage lang lediglich von Gefahrgut gesprochen haben, ohne das zu konkretisieren. Gefahrgut kann vieles sein: von Kisten mit Feuerzeugen bis hin zu dem Gemisch aus Munition, Ethanol, Uranhexafluorid und vielen anderen Gefahrgüter, wie es sich auf der Atlantic Cartier befunden hat. Hier erwarte ich vom Senat, dass er nach dem Einsatz darüber informiert, was konkret an Bord war und welche Gefahren bestanden haben.

Mit freundlichen Grüßen

Anjes Tjarks  

Bild des Benutzers Dr. Anjes Tjarks
Gespeichert von Dr. Anjes Tjarks am 21.05.2013 - 04:04

Hallo Andreas,

Du hast völlig Recht. Die Feuerwehr hat einen guten Job gemacht und wir sind den Einsatzkräften sehr dankbar, dass sie Schlimmeres verhindert haben. Sie haben das unter widrigen Bedingungen geschafft, denn nach unseren Informationen war beispielsweise das angeforderte CO2 als Löschmittel nicht verfügbar. Das ist ein ernsthaftes Problem.

Ich kann Dir hier keinen konkreten Evakuierungsplan für die Hafencity vorlegen. Aber ich möchte Dir kurz erklären, warum wir danach fragen: Die Eröffnungsveranstaltung mit 35.000 Menschen war wohl gegen ca. 19.00 Uhr beendet. Der Feueralarm für die Atlantic Cartier wurde um 20.02 ausgelöst, mir liegen mehrere Augenzeugenberichte vor, die beschreiben, dass das Gelände auch nach Abschluss der Veranstaltung gut gefüllt war. Abgesehen davon, ist die Hafencity auch ein Wohngebiet. Der Brand fand ca. 500 Meter Luftlinie entfernt statt.

Um 20.46 Uhr hat die Feuerwehr erfahren, dass es sich um ein Schiff mit Gefahrgut handelt. Ab 23:08 Uhr wurden die ersten Maßnahmen zur Bergung der Gefahrgutcontainer eingeleitet, am 2. Mai 2013 um 03:35 Uhr waren diese Maßnahmen abgeschlossen. Diese wurden aus dem "unmittelbar gefährdeten Bereich" (Aussage des Hamburger Senates) geborgen. Laut Aussage des Senates standen also 33 Gefahrgutcontainer mindestens 03:05 Stunden (max. 7:33 Stunden) im unmittelbar gefährdeten Bereich eines unkontrollierten Brandherdes.

Insofern stellt sich aus meiner Sicht die Frage schon sehr konkret, ob nach der Eröffnungsveranstaltung andere Maßnahmen auf dem Gelände hätten ergriffen werden müssen. Evakuierungen sind immer schwierig, aber es gibt Fälle, in denen sie dringend geboten sind. Hier möchte ich genauere Informationen über die entsprechenden Abwägungen vom Senat oder den zuständigen Behörden.

Auch wenn diesmal zum Glück alles gut gegangen ist: In den letzten 12 Wochen haben 21 Transporte von Uranhexafluorid in Hamburg stattgefunden. Größere Veranstaltungen am Wasser - etwa der Hafengeburtstag - sind hier an der Tagesordnung. Es stellt sich die Frage sehr drängend, ob diese Parallelität so bleiben sollte.

Als Vertuschung werte ich, dass die Behörden 14 Tage lang lediglich von Gefahrgut gesprochen haben, ohne das zu konkretisieren. Gefahrgut kann vieles sein: von Kisten mit Feuerzeugen bis hin zu dem Gemisch aus Munition, Ethanol, Uranhexafluorid und vielen anderen Gefahrgüter, wie es sich auf der Atlantic Cartier befunden hat. Hier erwarte ich vom Senat, dass er nach dem Einsatz darüber informiert, was konkret an Bord war und welche Gefahren bestanden haben.

Mit freundlichen Grüßen

Anjes Tjarks

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